{"id":2348,"date":"2014-07-26T17:31:15","date_gmt":"2014-07-26T17:31:15","guid":{"rendered":"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/?p=2348"},"modified":"2014-07-29T12:03:32","modified_gmt":"2014-07-29T12:03:32","slug":"st-laurentius-zu-steele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/?p=2348","title":{"rendered":"St. Laurentius zu Steele"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/072614_1731_StLaurentiu1.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Hoch \u00fcber Alt-Steele hinaus ragt der Turm der der neugotischen Basilika. Mit seiner H\u00f6he von 63 Metern setzt der Turm quasi den &#8222;i-punkt&#8220; auf ein imposantes Bauwerk. Als Kind hatte ich immer geglaubt, dass es sich beim &#8222;Laurenz&#8220; um eine &#8222;ganz alte Kirche&#8220; handelte, inzwischen wei\u00df ich nat\u00fcrlich die Kirche kaum 150 Jahre steht. Dabei war es schon Gl\u00fcck, das St. Laurentius diese Zeit \u00fcberdauert hat. Im 2. Weltkrieg durch eine Luftmine schwer besch\u00e4digt h\u00e4tte ihr der Artillerie- beschuss durch die Amerikaner kurz vor Kriegsende fast den Rest gegeben. Zum Gl\u00fcck wurde sehr bald mit dem Wiederaufbau begonnen, mir w\u00e4re sonst so manches Erlebnis entgangen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Rund um die Kirche standen in meiner Kindheit viele Rhododendronb\u00fcsche dicht an dicht. Hier, hinter den dichten B\u00fcschen an der Kirchenmauer, hatte ich meine ersten Begegnungen mit Tabak. Zuerst, kaum 5 Jahre alt, musste die Tonpfeife vom Stutenkerl herhalten um die Kippen aufzurauchen die ein Freund \u2013 eigentlich f\u00fcr seinen Vater &#8211; gesammelt hatte. An die darauf folgende \u00dcbelkeit und die Kopfschmerzen musste ich noch lange denken, es muss Spa\u00df gemacht haben mich damit noch Monate sp\u00e4ter aufzuziehen. Sp\u00e4ter warfen wir unser knappes, meist geschnorrtes, Taschengeld schon mal zusammen um eine dreier- oder Viererpackung Zigaretten zu kaufen. Ob es Eckstein oder Roth\u00e4ndle Zigaretten waren kann ich nicht mehr erinnern. Jedenfalls war der Reiz des neuen und verbetenem bald vorbei und es gab wieder vermehrt Salmiakpastillen, Kn\u00f6terich oder Knickerwasser vom B\u00fcdchen am Bahnhof. Knickerwasser, das waren kleine Flaschen mit Mineralwasser, die mit einer Glaskugel \u2013einer Murmel Knicker \u2013 verschlossen wurde. Zum \u00d6ffnen musste der Verk\u00e4ufer die Kugel mit einer Holzst\u00f6\u00dfel in die Flasche dr\u00fccken damit der Druck entweichen konnte.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Einen weiteren Spa\u00df machten wir uns sp\u00e4ter daraus Steine in einen Kamin zu werfen. Die Kirche lag ja einige Meter \u00fcber dem Kirchspiel unterhalb der Kirche. Dort unten stand ein Geb\u00e4ude mit einem flachen Dach, aus dem ein dickes Ofenrohr als Kamin herausragte. Dieses Rohr galt es zu treffen. Immer dann wenn ein Treffer erzielt war, konnten wir zuerst das geschepper des Steines im Rohr und danach das Gezeter der Bewohner h\u00f6ren. Gefahr drohte uns von den Bewohnern nicht weil die kaum so schnell die Treppen hinauf gekommen w\u00e4ren. Daf\u00fcr aber vom Pfarrhaus, welches um einiges n\u00e4her lag und\u00a0von dem aus Dechant F\u00fcngeling\u00a0seine Vikare und Pastoren <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/072614_1731_StLaurentiu2.jpg\" alt=\"\" align=\"right\" \/>schon mal Jagd auf uns machten lie\u00df. Der Spa\u00df h\u00f6rte erst auf, nachdem ein gr\u00f6\u00dferer Junge einen Kracher in das Rohr geworfen hatte. Danach hat man eine Hutze auf das Rohr gesetzt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Gegen\u00fcber dem Haupteingang der Kirche lag Rechterhand die Laurentiusschule und links, etwas weiter oberhalb, der alte Friedhof. Zur Schule durfte ich erst mit fast sieben Jahren, zum einen wegen des Geburtstages (Stichtagregel) und zum anderen weil ich offensichtlich nicht der kr\u00e4ftigste war. Damit war ich aber in guter Gesellschaft und so konnten ein paar Freunde und ich auch weiter unseren Bl\u00f6dsinn treiben. Auf dem Friedhof, ebenfalls mit vielen, alten Rhododendren, B\u00e4umen und anderen B\u00fcschen bewachsen, hatten einige nahe Verwandte ihre letzte Ruhe gefunden so dass ich ihn \u00f6fter \u2013 meist in Begleitung Erwachsener &#8211; besucht habe. Mit hat das, im Gegensatz zu vielen meiner Spielkameraden, nichts ausgemacht. Im Gegenteil, zwischen den vielen B\u00fcschen und B\u00e4umen in der fast absoluten Stille f\u00fchlte ich mich sogar wohl.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Gegen\u00fcber dem Friedhof lag der Kindergarten der zur Laurentiusgemeinde geh\u00f6rte. Die Erziehung und Betreuung der Kinder oblag den Ordensschwestern, die auch das Krankenhaus betreuten. Ich kann mich nicht mehr an den Orden erinner, dem die Schwestern angeh\u00f6rten, meine aber das es sich um den Orden der barmherzigen Schwestern gehandelt hat. Als Kind hatte ich allerding von Barmherzigkeit wohl eine andere Vorstellung als die stets mit schwarzer Kutte bekleideten Ordensschwestern. So kann ich mich erinnern dass ich einmal zu Strafe in den Schuppen gesperrt worden war weil ich keine Lust mehr hatte die Triangel dann zu schlagen wenn es angeordnet <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/072614_1731_StLaurentiu3.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/>wurde. Ich r\u00e4chte mich auf meine Weise. Als ich wieder herausgelassen werden sollte hatte ich mir mit roten Gummib\u00e4rchen ein Muster auf die Stirne geklebt. Meine Freude \u00fcber die Aufregung w\u00e4hrte nicht lange, das Donnerwetter zu Hause war nicht von schlechten Eltern. Ein anderer Streich hatte schlimmere Folgen. Aus irgendeinem Grund waren wir Kinder in einem gro\u00dfen Raum zusammen um uns zu Besch\u00e4ftigen. Vermutlich hat es geregnet oder es war drau\u00dfen zu Kalt. Jedenfalls hatte ich irgendein Buch in der Hand und habe damit der Puppe eines M\u00e4dchens einen Klaps auf den Kopf gegeben. Nicht in b\u00f6ser Absicht, da bin ich sicher. Jedenfalls zerbrach der Kopf der Puppe und es gab ein riesiges Geschrei und Geheule. Ich wurde an der Hand einer Nonne durch die Gassen nach Hause gezerrt und dort als aufs\u00e4ssiger und gewaltt\u00e4tiger Nichtsnutz vorgef\u00fchrt. Das Ende vom Lied war, dass meine Tante Gerda ihre K\u00e4the-Kruse Puppe, die auf Wundersame Weise den Krieg \u00fcberstanden hatte, als Ersatz hergeben musste. Richtig verziehen hat sie mir das lange Zeit nicht.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Nach dem Reinfall mit der Puppe war ich im Kindergarten nicht mehr gerne gesehen und musste mich bis zur Einschulung nun selber besch\u00e4ftigen oder besch\u00e4ftigt werden. Da gab es jede Menge zu tun und zu entdecken, Langeweile kam nicht auf. Meist war ich in der Schusterei am Scheidtmanntor und fragte dem Schuster L\u00f6cher in den Bauch oder stand den Schmieden bei Klindthammer im Weg, wenn Pferde zu beschlagen oder Eisen zu schmieden waren.\u00a0\u00a0Oft war ich auch mit dabei wenn es in unserem Garten im Christinenweg etwas zu tun gab. Aber die meiste Zeit werde ich wohl nur in der Gegend mit allerlei Dingen besch\u00e4ftigt haben die Erwachsene als Kinder nat\u00fcrlich NIE gemacht hatten. Steine \u00fcber die Ruhr ditschen zum Beispiel oder Stiglitze und Fr\u00f6sche im Eickenscheidter B\u00fcschken fangen und diese dann in der Hosentasche zu vergessen. Schabbeln, knickern oder pitschen verursachten noch den wenigsten \u00c4rger zu Hause, daf\u00fcr wurden es bei diesen Spielen auch schneller Langweilig. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/072614_1731_StLaurentiu6.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"405\" align=\"left\" \/><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Die Zeit l\u00e4sst sich nicht aufhalten und der Tag der Einschulung kam immer n\u00e4her. Der Schultornister stand bereit, die Schiefertafel, die Griffel eingepackt und das Schw\u00e4mmchen zum abwischen war Nass und sicher in einer Dose aus Backelite verschlossen. Ich meine die war <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/072614_1731_StLaurentiu7.jpg\" alt=\"\" align=\"right\" \/>von Pelikan hatte urspr\u00fcnglich das Farbband einer Schreibmaschine enthalten. Mit Tornister und Schult\u00fcte bewaffnet sah ich diesem weltbewegenden Ereignis entgegen und muss gestehen, ich habe wenige Erinnerung an diesen Tag. Zwischen dem Eintreffen an der Laurentiusschule und dem Nachmittag mit Kaffee und Kuchen im Kreise der Verwandten klafft eine L\u00fccke. Die einzige Erinnerung die geblieben ist, war die an meine Lehrerin, an Fr\u00e4ulein Imhoff. Ich muss wohl hin und weg gewesen sein. Keine Ahnung mehr. Die positive Folge war, dass ich in dieser Schule keine gr\u00f6\u00dferen Probleme hatte, bis auf das Dr\u00f6meln.<br \/>\nMit &#8222;dr\u00f6meln&#8220; bezeichnete man bei uns zu Hause alles M\u00f6gliche. Wer vor sich hin dr\u00f6melte, der konnte entweder bummel, oder in Gedanken versunken sein, oder ins leere Blicken \u2013 einfach so, oder wie ich, statt von der Schule direkt nach Hause zugehen, den Weg durch die halbe Stadt zu nehmen und mir an jedem Schaufenster die Nase platt zu dr\u00fccken. Diese Eigenschaft sollte mir meinen ersten B\u00fchnenauftritt verschaffen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\">Etwas weiter den Laurentiusweg hoch, noch hinter dem Kindergarten \u00fcber die Hertigerstra\u00dfe hinweg, stand das Carl-Human-Gymnasium, Hier gab es eine gro\u00dfe Aula in der verschiedene Veranstaltungen abgehalten werden konnten. So zum Beispiel auch die Nikolausfeier. Ob der Schwimmverein oder die Schule oder die Pfarrei diese Feier veranstaltet hatte wei\u00df ich nicht. Jedenfalls durfte ich, nachdem ich zum &#8222;Nikolaus&#8220; auf die B\u00fchne gerufen worden war statt eines Geschenkes eine Wundersch\u00f6ne Rute vom Knecht Ruprecht in Empfang nehmen. Damit es auch in meinem Ged\u00e4chtnis haften bliebe, trug der dem lachenden Publikum auch noch meine Vergehen laut vor, dieweil der Nikolaus mich an die Hand genommen hatte und eine Runde nach der anderen auf der B\u00fchne drehte und dabei immerzu &#8222;dr\u00f6mele, dr\u00f6mele, dr\u00f6mele \u2026.&#8220; rief. Ein starker Auftritt, leider gab es kein Honorar.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"Sankt Laurentius Kirche in Steele\" href=\"http:\/\/hfsucher.kklick.com\/?page_id=2324\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: 12pt;\"><strong>Mehr Bilder von St. Laurentius<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoch \u00fcber Alt-Steele hinaus ragt der Turm der der neugotischen Basilika. Mit seiner H\u00f6he von 63 Metern setzt der Turm quasi den &#8222;i-punkt&#8220; auf ein imposantes Bauwerk. 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